"Ich habe einen Traum". Dies ist der Leitspruch des Ötztaler Radmarathons. Und diesen Traum setzten Adrian, Andreas, Carsten, Chris, Eberhard, Markus, Patrick und Thorsten dieses Jahr in die Realität um.

Der Ötzi, wie er von vielen Teilnehmern scherzhaft genannt wird, ist einer der schönsten, wenn nicht sogar der schönste Radmarathon in den Alpen. Er führt von Sölden (1377m) nach Ötz (820m) hinauf auf das Kühtai (2020m) hinüber nach Insbruck (660). Von dort aus gilt es den vergleichbar flachen Brenner (1377m) zu erklimmen. Dann stehen nur noch die letzten "Hügel" Jaufen (2090m) via St. Leonhard (705m) und das Timmelsjoch (2509m) bevor.

Die Kennwerte dieser Rundfahrt sind beeindruckend: 225km und 5200 Höhenmeter. Jeder, der früh morgens um 6:45 in Sölden an den Start geht, hat Respekt und Grund zum Jubeln, wenn er nach Stunden der Anstrengung wieder ins Ziel fährt.

Die Besonderheit am Ötzi ist, dass die Strassen während der gesamten Veranstaltung für den Straßenverkehr gesperrt sind und die Passanten und Zaungäste entlang der Strecke jedem Fahrer zujubeln. Aber lassen wir die Fahrer erzählen, wie sie den Ötzi erlebt haben.


Adrian:
2016 stand für mich unter einem besonderen Stern. Der Ötztaler Radmarathon hat mehrere Startblöcke. Im ersten Startblock, in dem ich seit Jahren Starten darf, muss man in den Vergangen drei Jahren die Schleife unter 8h20min gefahren sein. Nachdem ich die vergangen zwei Jahre gesundheitlich frühzeitig absteigen musste, stand ich dieses Jahr zum letzten Mal sicher in diesem 1. Startblock. Daher war klar, dass die Stoppuhr bei meiner Zieldurchfahrt nicht mehr als 8h19min59sek anzeigen darf. Dieses Ziel zu erreichen war für mich zusätzlich dadurch erschwert, da ich aus persönlichen Gründen im Frühsommer 10 Wochen lang mit dem Radtraining aussetzen musste.

Vom Start weg lief das Rennen für mich wie am Schnürchen, abgesehen von einem Schreckmoment auf der Abfahrt vom Kühtai nach Innsbruck, als mehrere Fahrer aus meiner Grupe wegen einer Unkonzentriertheit bei einer Geschwindigkeit von mehr als 50km/h zu Boden gingen.

Am Timmelsjoch ging es bei mir nun ans Eingemachte. Große Hitze und fehlende Form verursachten schnell Krämpfe. Ich hatte mich in diesem Moment mit Sätzen wie "gib jetzt ja nicht nach Junge", "Du hast nur diese eine Chance", versucht zu motivieren und mich von den Krämpfen nicht zum Anhalten zwingen zu lassen. Nach langen Kampf gegen die Hitze, Krämpfe, den Berg und den inneren Schweinehund, habe ich das Timmelsjoch erklommen. Über den Gegenanstieg zur Mautstelle, an dem die Krämpfe kurze Zeit wieder zu gewinnen schienen und mich ein Stück zu Fuß zwangen, ging es zurück nach Sölden. Im Ziel stand sie dann da, eine Zeit von 8h15min. Ich wusste nicht worüber ich mich mehr freuen sollte: Endlich wieder einmal angekommen zu sein, das tolle Wetter, meine Fahrzeit oder doch einfach nur dankbar zu sein, dass man überhaupt wieder Gesund zurück gekommen ist. Am Ende war es vielleicht alles zusammen, das eine Große Erleichterung in mir auslöste.

Fahrzeit: 8:15:42,9
Platzierung gesamt: 253/3942
Platzierung Altersklasse AK: 114/709


Markus:
Fahrzeit: 8:39:29,1
Platzierung gesamt: 442/3942
Platzierung Altersklasse AK: 174/709


Thorsten:
Mit deutlich weniger Kilometer als bei meiner Ötztaler Premiere 2014, bin ich mit den entsprechenden Erwartungen nach Sölden gereist. Einiges wollte ich diese Mal anders machen. So stand ich in der Startaufstellung gute 3000 Plätze weiter vorne. Am Kühtai wie auch am Brenner konnte ich deshalb ein paar Minuten schneller fahren. Ich aß diesmal rechtzeitig und blieb nicht mit einem Hungerast am Brenner liegen. Auch am Jaufen konnte ich meine Zeit von 2014 gut halten, und lag zu diesem Zeitpunkt auf einer Zielzeit von deutlich unter 8:30 Stunden.

Warum auch immer bekam ich aber im Schlussteil der Abfahrt vom Jaufen leichte Krämpfe, die sich in der Anfahrt zum Timmelsjoch verstärkten und mich zum Anhalten zwangen. Nach zwei längeren Pausen versuchte ich meinen Rhythmus neu aufzubauen, was mir schlussends auch sehr gut gelungen ist.

Bei der Verpflegungsstelle in Schönau bekam ich dann noch von einem super netten Mitarbeiter von Sponser zwei Trinkflaschen mit Competition. Ab hier wusste ich dann auch, woher die Krämpfe kamen, da ich am Jaufen an der öffentlichen Verpflegung mit Iso angeschriebenen Traubensaft verdünnt mit Wasser bekam. Das war bei der Hitze für mich völlig falsch. Am Ende bin ich das Timmelsjoch zwar 14 Minuten langsamer hochgefahren als im Vorjahr, erreichte aber das Ziel bis auf ein paar wenige Sekunden in der gleichen Zeit. Für mich ist das ein versöhnlicher Abschluss gewesen.

Fahrzeit: 8:40:36,9
Platzierung gesamt: 453/3942
Platzierung Altersklasse AK: 180/709


Carsten:
Fahrzeit: 8:56:16,6
Platzierung gesamt: 612/3942
Platzierung Altersklasse M1: 317/2044


Chris:
Für mich war es der erste Start bei einem Radmarathon überhaupt. Von Radrennen wusste ich ungefähr wie es zugehen würde, allerdings bin ich noch nie ein Rennen dieser Länge gefahren.

Am Brenner und am Jaufenpass habe ich extrem mit der Hitze kämpfen müssen. Am Timmelsjoch hat mir der leichte Regen extrem geholfen, so dass ich wieder schneller fahren konnte.  Oben am Timmelsjoch hat ein Mavic Mechaniker meine Bremse reparieren müssen, bevor ich mich ins hinab nach Sölden ins Ziel stürzen konnte. Gerade noch rechtzeitig vor dem großen Regen. Bei der Zieleinfahrt finde ich extrem beindruckend, wie viele Zuschauer einem zujubeln. 

Fahrzeit: 9:19:12,9
Platzierung gesamt: 898/3942
Platzierung Altersklasse AK: 289/709


Eberhard:
Für mich war es das erste Mal, dass ich hier als Fahrer an den Start gegangen bin. Zuvor war ich zweimal mit meinem Sohn Marc als Betreuer dabei. Schon nach dem ersten Mal juckte es mir in den Fingern auch mitzumachen. Schliesslich war es Adrian, der mich ins Fahrerfeld brachte.

Das Rennen verlief so wie erwartet. Die schönen Abfahrten waren sehr schnell, doch leider gefühlt viel zu kurz, die Anstiege dafür viel zu lang. Wie zuvor schon geahnt, war das Timmelsjoch für mich grenzwertig. Abgesehen von ein paar Krämpfen im ersten Teilstück des 28 Kilometer langen Anstiegs, hatte ich aber dann meinen Rhythmus gefunden. Sehr viele Fahrer standen dort erschöpft am Straßenrand. Kein Wunder, bei der Hitze. Kurz vor dem Gipfel, als ich wusste, ich würde es ins Ziel schaffen, übermannte mich ein bisher noch nicht gekanntes Gefühl von Freude und Melancholie. Ich war den Tränen nah. So auch geschehen, als mein Sohn mich dann in Sölden im Ziel in Empfang nahm.

Fahrzeit: 9:44:33,7
Platzierung gesamt: 1262/3942
Platzierung Altersklasse M1: 681/2044


Patrick:
Fahrzeit: 10:17:04,7
Platzierung gesamt: 1725/3942
Platzierung Altersklasse M1: 951/2044


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